BOOTES

Dienstag, 22. November 2011

„Ohne Kommentar“.

im juni 2005

sie werden dich morgen zur schlachtbank führen,

nein,

es wird ein klinischer eingriff werden,

steril, der mann

am messer eine koryphäe,

dein schicksal, glioblastoma multiforme,

eine randnotiz,

die datenbanken sprechen für sich , der sechser im lotto, die arschkarte,

pik dame, wie die stuart.

 

deine passion.

jäger,

die jagd ist vorüber.

 

alles ist nicht mehr wie zuvor, sagte mir eine.

 

es ist der längste tag dieses jahres.
dein bild vor mir, deine bilder,
die worte, wir waren nie gegner.

die deichsel der bärin zeigt
auf arcturus, kalter stern, roter stern.

stern, der, wenn frost klirrt und schnee knarrt im winter,
die wende uns anzeigt.
östlich.
zu ostern.

DAS ABENTEUER IN DER KOPERNIKUSSTRASSE

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Da ist zunächst dieses Bild. Ein Raum, ein geöffnetes Fenster, ein Spiegel, ein Waschbecken, zwei Betten, fünf junge Menschen, zwei Frauen, drei Männer. Klassenfahrt.

Die Linie über ihre und meine Augen teilen das Bild nach den Regeln des Goldenen Schnittes. Wir schauen uns nicht an, wir fixieren aber beide einen Punkt außerhalb des Bildes. Die anderen drei schauen irgendwo hin. Einer lacht.

Die Stadt ist voll von Gerüchen. Seit fünf Tagen keine Zeitung. Seit drei Tagen zunächst getragene Musik, dann Stille auf allen Kanälen. Nur die Instrumente messen noch, aber niemand interessiert sich mehr für ihre Ergebnisse. Aus Teilen der Stadt vernehme ich ungewöhnliche  Geräusche.

Ich habe begonnen, unnütze Papiere zu ordnen. Wenn ich sie wende und drehe, verschwinden ihre Schriftzeichen, und grelle Farben leuchten auf. An ihren Rändern glimmt eine schmale Flamme. Ich nehme keinen Qualmgeruch wahr.

Dann steht er vor mir, klein, verwachsen, böse. Ich kenne ihn. Morbus Recklinghausen. Vor dem Gesicht trägt er eine Maske mit dem Bildnis Tycho Brahes, das mit dem Elefantenorden. Gilton Milson höchstpersönlich, der Scharlatan.

„Du versteht es, Dich zu verkleiden.“

„Ich habe eine Einladung für Dich. Kaffeehaus Heiterkeit, Kopernikusstrasse, sie wartet auf Dich. Sie möchte noch einmal mit Dir sprechen.“

„Sie schickt Dich. Sie wählt Dich als Boten zu mir. Sie ist tot. Ich habe um sie geweint.“

„In Damaskus ereignen sich Dinge.“

Kapitulation.

„Wann soll ich dort sein?“

„In zwei Stunden“, er nickt spöttisch mit dem Kopf. „Du solltest Deinen gesammelten Schwachsinn ordnen. Oder verbrennen. Der Stern naht.“

„Verschwinde. Du gehörst nicht zu denen, die ich geliebt habe.“

Er spuckt vor mir aus und geht.

Ich verlasse das Haus. Und gehe durch stille Straßen, überall hat sich das Strandgut unserer Existenz gesammelt, niemand mehr, der es entsorgt. Die Tür ist weit geöffnet. Der Raum ist dunkel und kühl. Die Erinnerungen wehen heran. Schach. Wir spielten die vergessenen Partien nach. Englische Eröffnung. Keres versus Smyslow. Zürich 1953. Billard. Die Jukebox. Liebe. Die ersten Küsse . Liebesspiele in den verbotenen Zimmern. Diskussionen über die Vermutung von Fermat. Und immer wieder Triviales. Musik. Rausch, egal wodurch. Am Ende hatten wir die komplette Toxikologie ausprobiert.

Sie gleitet in den Raum zunächst wie ein Schatten. Dann wie ein Bild. Dann ist sie eine Skulptur. Das Gesicht, das ich geliebt habe. Den Körper, den ich geliebt habe. Dann auch der Geruch, den ich geliebt habe. Ich nähere mich ihr. Wange an Wange. Ich streiche über ihre Jochbögen. Ich berühre ihr Haar. Ihr Atem ist kühl. Lippe an Lippe. Und mehr. Dann verschwindet sie. Stille, Ruhe, Kälte, Schmerz, Atemnot, Einsamkeit, allesallesalles….

„Du hast einfach kein Glück, mein Freund.“ Ich weiß sofort, wer da spricht. Aber er ist verborgen.

Invicta Bionomics Enterprise. Alter Bekannter. Fast ein Freund. Ein Teil von jener Macht. Aus einer der Musikboxen kommt ein Lied. Brel. Mathilde. „Jammerschade, „ sagt er. „Bronchialkarzinom.“

„Was willst Du von mir ? „

„Plaudern.“

„Worüber „ ?

„ Über die Perspektiven der Menschheit auf diesem Planeten ab heute Abend 18 Uhr 34.“ Er  lacht.

„Wunderbarer Witz. Was ist es ? Das Objekt vom 23. März 1989 ?“

„Nein. 2005 YU 55 “

„Nie gehört.“

„Wirst Du auch niemals hören. Wir sehen nur kurz sein gleißendes Licht.“

„Wir ? Was wird aus Dir ?“ Er lächelt. „Ich weiß es nicht.“

Er schält sich aus der Dunkelheit heraus. Er hat ein Gesicht mit vielen mir bekannten Gesichtern. Er ist die Summe meiner Beziehungen. Auf einem Tisch erscheinen zwei Gläser und eine Rotweinflasche.

„Rioja 1978. Castillo Ygai. Das Jahr, in dem Du sie verloren hast, und ich erste Kontakte zu Dir knüpfte.“

„Was verspracht Ihr Euch von mir.“

„Du warst ein hoffungsvolles Talent. „ Er entkorkte. Füllte die Gläser. „Cheers. Noch 78 Minuten.“  Wir tranken und leerten die Flasche. Wiederum zog er die Kapuze über sein Gesicht.

„Es ist Zeit zu gehen. Weißt Du, Ihr seid das vorerst letzte Experiment. Dutzende sind viel früher fehlgeschlagen. Eigentlich hatten wir Hoffnung, Euch weiteren Spielraum zu geben. Trotz Eurer historischen Katastrophen.“

„Ihr gebt auf ?“

„Nein. Wenn sich die Wogen geglättet haben, werden wir in zwei Millionen Jahren einer Spezies unbehaarter Wasserwürmer eine Chance geben. Ihr genetisches Potential stimmt. Sie können zudem nicht-lineare Zusammenhänge begreifen. Und sie werden garantiert keine Bücher schreiben“

„Lass uns gehen, “ sagte ich. Wir brachen auf. Auf dem Weg in die Südstadt, sahen wir, was Menschen einander antaten, die von der Hölle geträumt hatten.

„Nicht unser Stil, „ sagte er. „Wir machen nichts, was morphologisch fassbare Spuren hinterlässt, allenfalls Waterboarding.“ Linkerhand, in einem Villenviertel, standen Kreuze. Jenseits des Flusses brannte die Stadt. Über den unfreiwilligen Austausch von genetischem Material wollte ich gar nicht nachdenken. Wir betraten ein letztes Mal ein Gebäude.

„Zur Vorhölle,“ sagte er lakonisch. Im Erdgeschoß war eine Tür zu einem Raum geöffnet. Auf einem riesigen Bett lag der Scharlatan , verwulstet, deformiert, mit Pflastern beklebt, um ihn herum , wie bei jenem Habsburger Kaiser , drei grell geschminkte Huren, partiell seinen Körper stimulierend, er aber war schon im Fentanylrausch, aus dem er nicht mehr erwachen würde. „Eigentlich war er Dein Freund, “ sagte mein letzter Begleiter, „aber Du warst immer ein wenig wählerisch. Lass uns nach oben fahren.“ Der Aufzug kam, wir gingen hinein. Ich drückte auf Stockwerk 333, Aussichtsplattform. Wir stiegen wie im Flug. Oben angekommen, traten wir hinaus in eine sternenklare Nacht. Unter uns tobte ein Chaos aus den Bildern von Bosch.

„Noch drei Minuten.“ Er zog seine Kapuze vom Kopf und wandte sich mir zu.

„Ich habe darauf gehofft, „ sagte ich.  Sie lächelte.

Am südwestlichen Himmel erschien ein gleißendes Licht, das rasend schnell auf uns zukam. Den Lärm schon hörten wir nicht mehr.

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Das Reanimationsteam beendete seine Bemühungen. Alle waren erschöpft.

„Lasst gut sein, „ sagte der alte Anästhesist.  „Sichert die verwendbaren Organe.“

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Auf meinem Monitor blinkten die letzten Signale. Das Spiel ist aus. Schon wieder verloren. Das Programm war ein schwieriger Gegner. Ich sollte zu Schach oder Billard wechseln. Oder aufhören. Ich ging zur Haustür und schaute umher und zum Himmel. Im Südwesten explodierte ein gleißendes Licht.

Krakau / Kirchen (Sieg) 2010

Ländliche Idylle 23

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Dies ist nunmehr mein zweiter Blog-Eintrag auf meiner neuen Homepage wolfram-johannes.de. Hier ein neuer Text von mir:

Ländliche Idylle 23

Es lebt
im Wippetale
Herr Lugburz von Möhren, ein Ork.
Gewöhnlich ernährt er sich
von Radfahrern.

Liebe Literaturfreunde!

Montag, 26. April 2010

Herzlich willkommen auf meiner Internetseite. Dies ist nunmehr mein erster Blog-Eintrag auf meiner neuen Homepage wolfram-johannes.de. Ihm werden hoffentlich ab heute zahlreiche Publizierungen folgen. Über Kommentare zu meinen Einträgen, liebe Freunde und Förderer der Literatur, freue ich mich schon heute.